(Essenzielle) Kryoglobulinämische Vaskulitis / Essentielle Kryogobulinämie

Definition: Bei der kryoglobulinämischen Vaskulitis handelt es sich um eine Kleingefäßvaskulitis der Arteriolen, Venolen und Kapillaren, die durch Ablagerung von Kryoglobulinen in der Gefäßwand verursacht wird.

 

→ Epidemiologie:

→ I: Die genaue Prävalenz ist bis heute nicht genau bekannt, jedoch sind Frauen 3x häufiger betroffen als Männer.

→ II: Der Manifestationsgipfel liegt zwischen der 4. und 5. Lebensdekade.

 

Klinisch-relevant: Die essentielle kryoglobulinämische Vaskulitis gehört zu den nicht-ANCA-assoziierten Vaskulitiden der kleinen Gefäße. Hierzu zählen u.a. auch:

A) Purpura Schoenlein-Henoch,

→ B) Kutane leukozytoklastische Angiitis.

 

Pathophysiologie: Kryoglobuline stellen bei Kälte präzipitierende Immunglobulinkomplexe dar, die meist aus monoklonalem IgM und/oder polyklonalem IgG bestehen, sich in der Gefäßwand kleiner Arteriolen, Venolen und Kapillaren ablagern und zu einer endothelialen Entzüdung führen. Sie können einen positiven Rheumafaktor verursachen. Man unterscheidet 3 Typen:

→ I: Typ 1: Es handelt sich ausschließlich um monoklonale Immunglobuline, meist vom IgM-Typ. Sie treten vor allem bei der monoklonalen Gammopathie, beim multiplen Myelom und Morbus Waldenström auf.

→ II: Typ 2: Monoklonale sowie polyklonale Immunglobuline. Prädisponierende Erkrankungen sind vor allem die Hepatitis B und C sowie Kollagenosen.

III: Typ 3: Ausschließlich polyklonale Immunglobuline. Ursachen sind vor allem die Hepatitis C, Kollagenosen und andere rheumatische Erkrankungen.  

478 Klassifikation der Kryoglobulinämie

 

Ätiologie: Man unterscheidet bei den durch kältelabile Bluteiweiße verursachten Vaskulitiden zwischen 2 Formen:

→ I: Primäre Form: Essentielle Kryoglobulinämie (die Ursache ist nicht eruierbar).

→ II: Sekundäre Form: Aufgrund einer weiteren Erkrankung:

→ 1) Para- oder postinfektiös z.B. bei HCV-Infektionen,

→ 2) Autoimmunologisch bei Kollagenosen,

→ 3) Paraneoplastisch: Bei Karzinomen der Lunge, des Pankreas, Kolons, aber auch bei malignem Lymphom sowie Plasmozytom etc.

 

Klinik:

→ I: Allgemeinsymptome wie schweres Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, evtl. Myalgien und deutliche Leistungsminderung.

→ II: Palpable, akral-betonte Purpura (insbesondere die untere Extremeität betreffend) bis hin zur Nekrosebildung,

→ III: Nicht-destruierende Polyarthritis,

→ IV: Membranoproliferative Glomerulonephritis mit Hämaturie und Proteinurie.

V: Polyneuropathie (= sensomotorische Polyneuropathie), Plexusneuritis und Mononeuritis multiplex.

 

Diagnose:

→ I: Wegweisend ist der Nachweis von Kryoglobulin. Durch Immunfixation kann eine Unterscheidung zwischen monoklonalen und polyklonalen Kryoglobulinen erfolgen.

→ II: Hypokomplementämie,

III: Hämaturie, Erythrozyturie und Proteinurie.

→ IV: Evtl. Nachweis von Anti-HCV im Serum.

 

→ Klinisch-relevant:

 A) Beim Nachweis von polyklonalen Kryoglobulinen muss immer an eine Hepatitis-C gedacht werden. 

 B) Beim Nachweis von monoklonalen Kryoglobulinen muss immer eine monoklonale Gammopathie ausgeschlossen werden.

 

Therapie:

→ I: Insbesondere bei der sekundären Form steht die Behandlung der Grunderkrankung und der Versuch einer Kältekarenz im Vordergrund.

→ II: Bei Bestehen einer chronischen Hepatitis C erfolgt eine antivirale Therapie mittels Ribavirin und Interferon-Alpha.

III: Handelt es sich um eine essentielle Verlaufsform, ist die Gabe von Methotrexat (MTX) indiziert.

→ IV: Bei einer schweren, progredienten Krankheitsbild erfolgt eine Kombinationstherapie aus einem Glukokortikoid und Cyclophosphamid.

→ V: Ein Reservemittel ist das Rituximab, das vor allem bei einer therapieresistenten Verlaufsform eingesetzt wird.

 

Prognose: Sie ist insbesondere abhängig von der Grunderkrankung und dem Nierenbefall.