Minimal-Change-Glomerulonephritis

  Definition: Die Minimal-Change GN ist durch ihren histologischen Befund gekennzeichnet. Lichtmikroskopisch zeigt sich keine oder nur eine minimale Veränderung der Glomeruli, während man elektronenmikroskopisch eine Verschmelzung der Fußfortsätze der Podozyten mit konsekutiver schwerer Proteinurie erkennen kann.

 

Epidemiologie:

→ I: Die Minimal-change-GN ist die häufigste Ursache für das nephrotische Syndrom im Kindesalter, wobei Jungen doppelt so häufig wie Mädchen betroffen sind.

→ II: Sie kann jedoch in jedem Lebensalter auftreten; im Erwachsenenalter zeigt sich nochmals ein Manifestationsgipfel meist nach dem 65. Lebensjahr. 

 

Ätiologie:

→ I: Primäre Form: Bei diesem Typus um eine idiopathisch Form, bei der eine T-Zell-Funktionsstörung diskutiert wird. 

II: Sekundäre Form: Findet man gerade bei lymphoproliferativen Erkrankungen wie der Leukämie bzw. dem Hodgkin-Lymphom, aber auch nach Applikation von Schmerzmittel (NSAR), ACE-Hemmern, Lithium, Ampicillin, Rifampicin, Ranitidin, Interferon oder bei Nahrungsmittelallergien.

 

Pathogenese: Die Ursache ist nicht genau bekannt. Angenommen wird die Freisetzung von Zytokinen, Interleukin 13, aus den Lymphozyten, die eine Schädigung bzw. Fusion der Podozytenfortsätze verursacht.

 

Klinik:

→ I: Meist schwere, isolierte und hoch-selektive Proteinurie, als selektive Albuminurie, mit z.T. massiven Ödemen (v.a. an den Beinen und Augenlidern), Gewichtszunahme und Zeichen eines nephrotischen Syndroms.

→ II: Meist normale Nierenfunktion und normaler Blutdruck (in 20% besteht einer arterielle Hypertonie).

→ III: Häufig kommt es zur Spontanremission.

 

→ Komplikationen: Wichtige und z.T schwerwiegende Komplikationen der Minimal-change-GN sind insbesondere:

→ I: Bei schweren Krankheitsverläufen bildet sich nicht selten eine unselektive glomeruläre Proteinurie aus mit konsekutivem Verlust von Antithrombin III (erhöhte Thromboseneigung) und Immunglobulinen (erhöhte Infektanfälligkeit).

→ II: Die Entwicklung einer chronischen Nierenversagens über das Stadium der fokal sklerosierenden GN.

→ III: Die Retention harnpflichtiger Substanzen mit deutlich erhöhtem Risiko für ein akutes Nierenversagen aufgrund einer massiven Reduktion des zirkulierenden Volumens.

 

Diagnose:

→ I: Zeichen eines nephrotischen Syndroms.

→ II: Nierenbiopsie: Elektronenmikroskopischer Nachweis verschmelzender Podozytenfortsätze mit Verlust der Schrankenfunktion.

 

Klinisch-relevant: Aus einer Minimal-Change Glomerulonephritis kann sich in jeder Phase des Krankheitsverlaufs eine fokal-segmental sklerosierende Glomerulonephritis entwickeln.

 

Therapie:

→ I: Symptomatisch: Allgemeine Therapie des nephrotischen Syndroms.

→ II: Kausal: Eine 8-16 wöchige Applikation eines Kortikosteroids, wie Prednisolon (60-80mg/m2) und anschließende Gabe von 1mg/kgKG jeden 2.Tag über 4-6 Wochen führt bei > 90% der erkrankten Kinder zu einer vollständigen Remission. Bei Erwachsenen in 75% der Fälle.

III: Bei Steroidresistenz: Bei häufigen Rezidiven (> 4/Jahr) oder primärer Steroidresistenz (nach Steroidgabe fehlende Besserung der Proteinurie), kann Cyclophosphamid, Chlorambrucil oder Cyclosporin A appliziert werden.

 

Prognose: Nicht selten heilt sie spontan aus. Insbesondere nach erfolgreicher medikametöse Therapie manifestieren sich häufig Rezidive, die auf eine erneute Steroidtherapie nicht mehr ansprechen.