Lambliasis/ Giardia duodenalis

Definition: 

→ I: Bei der Lambliasis handelt es sich um eine parasitär-infektiöse Darmerkrankung (= Parasitose) durch das Protozoen, Giardia lamblia, mit einer von 10-20µm.

→ II: Die Vermehrung des Parasiten erfolgt im Darm durch Zweiteilung.

→ III: Von den Giardia lamblia existieren morphologisch 2 Erscheinungsformen:

→ 1) Zum einen die vegetative begeißelte Form (= Trophozoiten) und

→ 2) Zum anderen die unbegeißelte Dauerform (= Zysten: Sie werden per Exozytose vom Parasiten abgeschieden).

 

Epidemiologie:

→ I: Das Flagellat ist weltweit verbreitet (gehört zu den häufigsten intestinalen Parasiten) und tritt insbesondere in subtropischen und tropischen Gebieten mit geringen Hygienestandards auf. In Deutschland werden momentan 4-5 Infektionen/100000 Einwohnern durch Meldung erfasst.

→ II: Zudem können sie bei Hunden und Wildtieren (z.B. Bieber) vorkommen und stellen hierdurch eine potenzielle Infektionsquelle für den Menschen dar.

 

Ätiologie: Die Übertragung erfolgt oftmals fäkal-oral durch Schmierinfektionen (direkt von Mensch zu Mensch) oder indirekt über kontaminiertes Wasser oder Nahrungsmittel, meist durch die Aufnahme widerstandsfähiger Zysten. 

 

Pathogenese: Die Aufnahme nur weniger Zysten der Giardia lamblia (10-25) führt zu einer Infektion; Im oberen Dünndarm kommt es zur Exzystierung und Umwandlung in die beweglichen Trophoizyten sowie zur Vermehrung (durch Längsteilung) und Anheftung der Parasiten an die Mikrovilli der Darmmucosa vor allem des Duodenums und Jejunums. Im weiteren Krankheitsverlauf phagozytieren sie Darminhalt, schädigen mechanischen und biochemischen das Epithel (Kryptenhyperplasie, Läsion der Enterozyten, Atrophie der Villi und konsekutiver lokaler Entzündung) und induzieren hierdurch Symptome wie Digestions-, Absorptionsstörungen, sekundäre Laktoseintoleranz sowie z.T. massive Diarrhö.

 

Klinisch-relevant:

→ A) Die Zysten sind sehr widerstandsfähig und können in kühlen, feuchten Gebieten über Wochen existieren. 

B) Ein erhöhtes Infektionsrisiko findet man insbesondere bei Kleinkindern, immunsupprimierten Menschen, sowie Patienten mit verminderter Magensäure oder Mukoviszidose.

→ C) Infizierte Personen sind während der Gesamtdauer der Infektion ansteckungsfähig (insbesondere die symptomlosen Träger spielen bei der Weiterverbreitung eine wichtige Rolle).

 

Inkubationszeit: Sie beträgt durchschnittlich 7-10 Tage (3-25 Tage).

 

Klinik:

→ I: In der Hälfte der Fälle verläuft sie asymptomatisch.

II: Inappetenz, Übelkeit, krampfartige Schmerzen, Meterorismus und Flatulenz.

III: Typisch sind über mehrere Wochen anhaltende massive, übelriechende, wässrige Diarrhö mit z.T. auftretenden Fettstühlen (= Steatorrhö). 

IV: In ausgeprägten Fällen kommt es zur Malabsorption, extremen Gewichtsverlust und Schwäche. Blut- und Eiterbeimengungen fehlen.

→ V: Weitere Symptome: Können u.a. sein:

→ 1) Evtl. subfibrile Temperaturen (kein Fieber),

→ 2) Hypoproteinämie, Vitamin-A-Mangel und nicht zuletzt

→ 3) Gedeihstörungen bei Kindern.

→ VI: Die Infektion ist zumeist selbstlimitierend und es kommt nach Wochen bis Monaten zu Ausheilung.

 

→ Komplikationen: In seltenen Fällen kann sich im Zuge einer Giardiasis eine:

→ I: Cholezystitis,

→ II: Pankreatitis oder

→ III: Eine reaktive Arthritis entwickeln.

 

Diagnose:

→ I: Nachweis der Lamblia-Zysten im frischen Stuhl.

II: Mittels ELISA oder direkter Immunfluoreszenz ist ein Giardia-Antigen-Nachweis möglich. Des Weiteren kann der DNA-Nachweis mittels PCR erfolgen.

III: Nachweis der Trophozoiten (vegetative Form) im Dünndarmbiopsat bzw. im Dünndarmsekret-Aspirat. 

 

Differenzialdiagnose:

→ I: Andere Infektionserkrankungen mit Salmonellen, E.Coli, Shigellen, Entamoeba histolytika etc.

II: Chronische Diarrhoe bei immunsupprimierten Patienten (z.B. AIDS).

→ III: Nicht-infektiöse Ursachen einer Diarrhoe:

1) Medikamentös induziert: Laxanzien, Zytostatika.

2) Intoxikationen: Quecksilber, Kupfer, Arsen, Giftpilze

3) Maldigestion: Bei Postgastrektomie-Syndrom, Gallensäureverlust-Syndrom, exokriner Pankreasinsuffizienz.

4) Malabsorption: Einheimische - und tropische Sprue, Morbus WhippleLaktoseintoleranz.

5) Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie der Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa

6) Hormonell bedingt: Hyperthyreose, medulläres Schilddrüsenkarzinom, Gastrinom, Vipom, Morbus Addison etc.

Therapie: Es sollte bei allen symptomatischen Patienten eine adäquate Behandlung erfolgen, um ein monosymptomatisches Malabsorptionssyndrom zu vermeiden.

→ I: Allgemeinmaßnahmen: Rehydratation und Substitution der Elektrolyte. 

II: Medikamentöse Therapie: 

→ 1) Gabe eines Imidazolderivats wie Metronidazol 3x 250-500mg g/d über 5 d oder Tinidazol 1x 2g (Tinidazol weist aufgrund der deutlich geringeren hepatischen Metabolisierung eine wirksamere Konzentration in den Geweben und Körperflüssigkeiten auf).

→ 2) Bei Bedarf kann zusätzliche symptomatische Therapie mit einem Spasmolytikum und/oder Analgetikum indiziert sein. 

 

Prophylaxe: Einhaltung der Hygienestandards, Vermeiden von nicht-abgekochtem Wasser, Eiswürfeln und von halbrohem Fleisch und Fisch, Waschen des Gemüses, Obstes, etc.