Radiusköpfchenfraktur

→ Definition: Bei der Radiusköpfchenfraktur handelt es sich um eine knöcherne Verletzung des Radiusköpfchen.

 

→ Epidemiologie: Die Radiusköpfchenfraktur macht 1-4% aller Frakturen aus; jedoch stellt sie 20-30% aller Ellenbogenverletzungen dar.

 

Ätiologie: Verursacht wird die Radiusköpfchenfraktur durch einen Sturz auf die dorsalflektierte Hand, bei gestrecktem Ellenbogen und proniertem Unterarm. Beim Kind besteht der Radiuskopf fast ausschließlich aus Knorpel, sodass es zu einer Knorpelläsion oder Radiushalsfraktur kommt. Kindliche proximale Radiusfrakturen gehen in 1/3 der Fälle mit einer Epiphysenlösung einher.

 

Klassifikation:

→ I: Bei der Radiusköpfchenfraktur unterscheidet man zwischen folgenden Frakturtypen:

→ 1) Meißelfraktur,

→ 2) Impressionsfraktur und

→ 3)Trümmerfraktur.  

→ II: Im Rahmen der AO-Klassifikation handelt es sich bei der Radiusköpfchenfraktur um eine B2-Fraktur. 

III: Klassifikation der Radiusköpfchenfraktur nach Mason:

502 Klassifikation der Radiusköpfchenfraktur nach Mason

→ 1) Typ 1: Nicht dislozierte Meißelfraktur,

→ 2) Typ 2: Disloziert, partiell intraartikuläre Meißelfraktur (Dislokation > 2mm); 

→ 3) Typ 3: Komplett intraartikuläre Mehrfragment- oder Trümmerfraktur;

→ 4) Typ 4: Radiusköpfchenfraktur mit gleichzeitiger Luxation im Ellenbogengelenk (Ellenbogengelenkluxation).

656 Klassifikation der Radiusköpfchenfraktur nach Mason I

 

Klinik:

→ I: Ausgeprägte Schmerzen und Schonhaltung in Beugestellung; zumeist 90° Flexion.

II: Schmerzbedingte Bewegungseinschränkung (functio laesa) bei der Flexion und Extension, aber insbesondere auch bei der Pronation und Supination.

→ III: Druckdolenz über dem Radiusköpfchen,

→ IV: Sich rasch ausbildende ausgeprägte Schwellung;

→ V: Ausbildung eines z.T. massiven Hämarthros.

657 Klassifikation der Radiusköpfchenfraktur nach Mason

 

Begleitverletzungen:

→ I: Abrissfraktur des Proc. coronoideus,

→ II: Distale Humerusfraktur,

→ III: Olekranonfraktur,

→ IV: Abriss des ulnaren Kollateralbandes

→ V: Läsion des Nervus radialis profundus (Fingerstrecker);

→ VI: Essex Lopresti: Hierbei handelt es sich um eine Kombinationsververletzung, bestehend aus einer Radiusköpfchenfraktur, Ruptur der Membrana interossea und einer distalen Dislokation des Radioulnargelenks.

 

Diagnose:

→ I: Anamnese/klinische Untersuchung: Unfallhergang, DSM-Kontrolle und die Dokumentation der Funktion des N. radialis profundus (= Streckfunktion der langen Fingerstrecker).

→ II: Röntgen: Des Ellenbogens in 2 Ebenen. Eventuelle Darstellung von Fat-pad-sign/Fettpolsterzeichen: Sichtbarwerden der physiologischen angelegten Gelenkfettpolster (= radiologisch dunkle Dreiecke) in der Fossa coronoidea und Fossa olecrani bei Gelenkerguss; sie stellen eine indirektes Frakturzeichen dar.

→ III: Radiusköpfchenzielaufnahme: (nach Greenspan) Im 45° Winkel lateromediale Zielaufnahme des 90° flexierten Ellenbogengelenkes.

→ IV: CT bei Mehrfragment- oderTrümmerfrakturen zur OP Planung.

→ V: Bei Verdacht auf Knorpelbeteiligung oder Bänderverletzungen MRT.

 

Therapie:

→ I: Konservative Therapie: Bei fehlender Dislokation < 2mm (Mason I) kann nach Punktion des Gelenkergusses eine Ruhigstellung mittels Oberarmgipsverband oder Gilchrist-Verband für 5-8 Tage erfolgen. Anschließend ist eine frühfunktionelle Physiotherapie ohne Belastung für ca. 6 Wochen indiziert.

II: Operative Therapie:

→ 1) Stark dislozierte Frakturen (Dislokation > 2mm, Fragmentgrößer > 1/3 des Radiuköpfchen) werden offen reponiert und mittels Minischrauben/ Miniplatten stabilisiert.

→ 2) Bei Trümmerfrakturen erfolgt eine primär Radiusköpfchenresektion bzw. Radiuskopfprothese.

 

→ Komplikationen:

→ I: Posttraumatische Arthrose,

→ II: Cubitus valgus infolge einer fehlverheilten Radiusköpfchenfraktur, da die ursprüngliche Länge des Radius nicht erreicht wurde.

→ III: Pseudarthrose,

→ IV: Postoperative Infektionen.