Opiatabhängigkeit: Klinik, Intoxikation, Entzugssymptome

  Allgemein: Opiate führen bei Missbrauch zu einer frühzeitigen Abhängigkeit (z.B. Heroin nach 2-3 Injektionen) mit konsekutiver Toleranzentwicklung (= Dosisteigerung). Es bestehen unterschiedliche Applikationsformen:

→ I: Heroin: Intravenös, Rauchen von, auf einer Alufolie erhitztem Heroin oder subcutan bei schlechten Venenverhältnissen.

II: Orale Applikation: Oral werden Codein, Methadon, etc. appliziert.

722 Typisch klinische Zeichen einer Opiatabhängigkeit

 

Klinik: Charakteristische klinische Symptome der Opiatabhängigkeit

→ I: Nach intravenöser Applikation kommt es innerhalb von 10-20sec. zur Ausbildung eines Kicks mit den typischen klinischen Zeichen wie Euphorie und Losgelöstsein, etc. die ca. 15-30min. anhalten.

→ II: Nachfolgend tritt eine sedierende Wirkung ein: 

1) Psychomotorischer Verlangsamung,

→ 2) Kognitive Störungen und evtl.

→ 3) Ausbildung einer dysphorischen Grundstimmung.

→ III: Bei sehr schneller Heroin-Applikation entwickelt sich ein Flush-Symptomatik mit Rötung und Wärmegefühl der Haut, Glücksgefühl, Somnolenz und Affektlabilität.

 

→ Intoxikation:

  I: Akute Opiatintoxikation: Diese ist gekennzeichnet durch die überwiegende Aktivität des Parasympathikus. Klinische Symptome sind u.a.:

→ 1) Haut: Rötung, Juckreiz,

→ 2) Kardiovaskulär: Arterielle Hypotonie, Bradykardie.

→ 3) Vegetativ: Benommenheit, Miosis, Blasensphinkterspasmus, Atemdepression, evtl. Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit (Koma), die gegebenenfalls letal enden kann.

721 Stadieneinteilung der Opiatintoxikation (anhand der Symptomatik)

 

Klinisch-relevant: Die akute Opiatintoxikation muss immer behandelt werden. Wichtig hierbei ist die Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen evtl. auch durch Reanimation. Zur Wiederherstellung der Atemfunktion und des Bewusstseins ist die Gabe von Naloxon (z.B. Narcantin 1 Ampulle mit 0,4mg) indiziert. 

→ A) Naloxon wird intravenös, intramuskulär oder intratracheal minutenweise appliziert in einer Dosis von 0,1-0,2 mg (bis maximal 2mg) bis es zur Aufhebung der Atemdepression bzw. des Komas kommt.

→ B) Aufgrund der kürzeren HWZ des Naloxons, im Vergleich zu den Opiaten, ist die wiederholte Applikation der Substanz in Abstand von 10-30min. obligat.

→ C) Bei Überdosierung von Naloxon besteht die Gefahr des Auslösung eines schweren Entzugssyndroms.

 

II: Chronische Opiatintoxikation: Symptome sind u.a. Müdigkeit, spastische Obstipation, sexuelle Dysfunktion, Schwitzen, Tremor, Inappetenz und Gewichtsverlust. Begleiterkrankungen sind insbesondere:

→ 1) Lokale Infektionen: Spritzenabszesse und Phebitiden

→ 2) Systemische Infektionserkrankungen: Wie HIV-Infektionen und Hepatitiden wie Hepatitis B oder Hepatitis C.

 

Opiatentzugssyndrom: Opiate haben ein hohes Suchtpotenzial mit den Folgen einer schweren physischen und psychischen Abhängigkeit und schweren Entzugssymptomen. Der Zeitpunkt des Auftretens von Entzugssymptome ist abhängig vom Opiat:

→ I: Opiate: Wichtige Opiate hierbei sind u.a.:

→ 1) Heroin: Die Entzugssymtome treten 4-8 Stunden nach der letzten Applikation auf, erreichen ihr Maximum nach 1-3 Tagen und halten ca. 1 Woche an.

→ 2) Methadon: Die Entzugssymptome beginnen 12-24 Stunden nach der letzten Applikation, erreichen ihr Maximum nach 4-6 Tagen und halten ca. 10-21 Tage an.

→ II: Klinik: Symptome des Entzugssyndroms sind typischerweise Lakrimation, Rhinorrhoe, Agitiertheit, Hyperhidrosis, Tachykardie, Gähnen, Wechsel von Hitze- und Kältegefühl, Miosis bei Tageslicht (< 4mm), Syndrom der unruhigen Beinen (z.B. Anxietas tibiarum, Restless-legs-Syndrom).

 → III: Stadieneinteilung: des Opiatentzugs:

→ 1) Stadium 0: Angst und Craving (setzen bei Heroin nach 4 Stunden, bei Methadon nach 12 Stunden ein).

→ 2) Stadium 1: Zusätzlich vermehrtes Gähnen, Schwitzen, Tränenfluss, Rhinorrhoe, Schlafstörungen (setzen bei Heroin nach 8 Stunden bei Methadon nach 32-48 Stunden ein).

→ 3) Stadium 2: Mydriasis, Kälte- und Hitzegefühl, Piloerektion (= Gänsehaut), Tremor, Muskelzuckungen, Muskelschmerzen (bei Heroin nach 12 Stunden, bei Methadon nach 2 Tagen).

4) Stadium 3: Zusätzlich findet man innere Unruhe, Übelkeit, Tachykardie, arterielle Hypertonie, Hyperthermie und Hyperventilation (bei Heroin nach 18-24 Stunden, bei Methadon > 2 Tage).

→ 5) Stadium 4: Fieber, Bauchkrämpfe, Erbrechen, Diarrhoe, Muskelkrämpfe, Leukozytose, BZ- und Laktatanstieg (bei Heroin nach > 24 Stunden, bei Methadon > 2 Tage).