Klinik der Opiatabhängigkeit/ Entzugssyndrom der Opiatabhängigkeit

Allgemein:

→ I: Opiate führen bei Missbrauch zu einer frühzeitigen Abhängigkeit ( z.B. Heroin nach 2-3 Injektionen).

→ II: Es bestehen unterschiedliche Applikationsformen:

→ 1) Heroin: Intravenös, Rauchen von, auf einer Alufolie erhitztem, Heroin, subcutan bei schlechten Venenverhältnissen.

2) Orale Applikation: Oral werden Codein, Methadon usw.appliziert.

Klinik:

→ I: Nach i.v.-Applikation kommt es innerhalb von 10-20 sec. zur Ausbildung eines Kicks mit charakteristischen Zeichen wie Euphorie und Losgelöstsein, die ca 15-30 min anhalten.

→ II: Nachfolgend tritt eine sedierende Wirkung ein: 

1) Psychomotorischer Verlangsamung,

→ 2) Kognitive Störungen und evtl.

→ 3) Ausbildung einer dysphorischen Grundstimmung.

→ III: Bei sehr schneller Heroinapplikation entwickelt sich ein Flush mit Rötung und Wärmegefühl der Haut, Glücksgefühl, Somnolenz und Affektlabilität.

I: Akute Opiatintoxikation: Diese ist gekennzeichnet durch die überwiegende Aktivität des Parasympathikus. Klinische Symptome sind

→ 1) Haut: Rötung, Juckreiz,

→ 2) Kardiovaskulär: Hypotonie, Bradykardie,

→ 3) Vegetativ: Benommenheit, Miosis, Blasensphinkterspasmus, Atemdepression, evtl. Krampfanfälle.

Merke: Komplikationen der Intoxikation:  Das klassische Symptomtrias besteht aus

-> I: Miosis,

-> II: Atemdepression und

-> III: Bewusstlosigkeit (Koma), das evtl. zum Exitus führen kann.

Klinisch-relevant: Die akute Opiatintoxikation muss immer behandelt werden. Wichtig hierbei ist die Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen evtl. auch durch Reanimation. Zur Wiederherstellung der Atemfunktion und des Bewusstseins ist die Gabe von Naloxon (→ Narcantin 1Ampulle mit 0,4mg) indiziert. 

Naloxon:

→ 1) Wird i.v., i.m. oder intratracheal minutenweise appliziert in einer Dosis von 0,1-0,2 mg (bis maximal 2mg) bis es zur Aufhebung der Atemdepression bzw. des Komas kommt.

→ 2) Aufgrund der kürzeren HWZ des Naloxons, im Vergleich zu den Opiaten, muss es nachdosiert werden.

II: Chronische Opiatintoxikation: Symptome sind: Müdigkeit, spastische Obstipation, sexuelle Dysfunktion, Schwitzen, Tremor, Inappetenz und Gewichtsverlust.

Begleiterkrankungen: Sind

→ 1) Lokale Infektionen: Spritzenabzesse und Phebitiden

→ 2) Systemische Infektionserkrankungen: Wie HIV-Infektionen und Hepatitiden wie Hepatitis B/C.

Opiatentzugssyndrom:

→ 1) Opiate haben ein hohes Suchtpotenzial mit den Folgen einer schweren physischen und psychischen Abhängigkeit und schweren Entzugssymptomen.

→ 2) Der Zeitpunkt des Auftretens von Entzugssymptome ist abhängig vom Opiat:

→ A) Heroin: Hier treten die Entzugssymtome 4-8h nach der letzten Applikation auf, erreichen ihr Maximum nach 1-3 Tagen und halten ca. 1 Woche an.

→ B) Methadon: Die Entzugssymptome beginnen 12-24h nach der letzten Applikation, erreichen ihr Maximum nach 4-6 Tagen und halten ca. 10-21 Tage an.

Symptome des Entzugssyndroms: Typisch sind Lakrimation, Rhinorrhoe, Agitiertheit, Hyperhydrosis, Tachykardie, Gähnen, Miosis bei Tageslicht (> 4mm), 

Stadieneinteilung: des Opiatenzugs:

→ I: Stadium 0: Angst und Craving ( setzen bei Heroin nach 4h, bei Methadon nach 12h ein).

→ II: Stadium 1: Zusätzlich vermehrtes Gähnen, Schwitzen, Tränenfluss, Rhinorrhoe, Schlafstörunen ( setzen bei Heroin nach 8h bei Methadon nach 32-48h ein) .

→ III: Stadium 2: Mydriasis, Kälte- und Hitzegefühl, Piloarrektion (Gänsehaut), Tremor, Muskelzuckungen, Muskelschmerzen (bei Heroin nach 12h, bei Methadon nach 2Tagen).

IV: Stadium 3: Zusätzlich findet man innere Unruhe, Übelkeit, Tachykardie, Hypertonie, Hyperthermie und Hyperventilation ( bei Heroin nach 18-24h, bei Methadon > 2 Tage).

→ V) Stadium 4: Fieber, Bauchkrämpfe, Erbrechen, Diarrhoe, Muskelkrämpfe, Leukozytose, BZ- und Laktatanstieg ( bei Heroin nach > 24h, bei Methadon > 2 Tage).