Anatomie des Pankreas

Anatomie: Die Bauchspeicheldrüse ist ein langestrecktes, 60-100g schweres Organ und liegt in Höhe L1/L2 vor der Wirbelsäule. Das Pankreas ist unterteilt in:

→ I: Pankreaskopf: (= Caput pancreatis mit Processus uncinatus, der die A. und V. mesenterica superior umfasst). Das Caput liegt der Pars descendens duodeni an und wird kaudal durch die Pars horizontalis duodeni begrenzt; ist rechts der Vena portae lokalisiert.

II: Pankreaskörper: (= Corpus pancreatis) Manifestiert sich in Höhe des 2. LWK, überquert die WS zwischen Vena portae und Aorta und bildet die Rückseite der Bursa omentalis.

→ III: Pankreasschwanz: (= Cauda pancreatis) zieht vor der linken Niere entlang und reicht von der Aorta bis zum Milzhilus.

 

Klinisch-relevant: Das Pankreas liegt sekundär retroperitoneal d.h. dass nur die Vorderfläche von Peritoneum überzogen ist. Es ist eine Folge seiner Entwicklung aufgrund einer sekundären Verlagerung in den Retroperitonealraum.

555 Schematische Darstellung der Topographie des Pankreas

 

  Ausführungsgänge:

→ I: Ductus pancreaticus: (= Wirsung-Gang) Durchzieht das gesamte Organ und mündet in der Regel gemeinsam mit dem Ductus choledochus (Endabschnitt Ampulla hepatopancreatica) in der Papilla Vateri (= Papilla duodeni major) in die Pars descendens des Duodenums.

II: Ductus Santorini: Es handelt sich um einen akzessorischen Ausführungsgang, der in ca. 40% der Fälle nachweisbar ist und den Pankreaskopf separat drainiert. Er mündet 2cm proximal des Hauptausführungsgangs in die Papilla duodeni minor des Duodenum ein.

 

Arterielle Versorgung: Das Pankreas wird über 2 voneinander getrennte Systeme arteriell versorgt (sie sind jedoch über zahlreiche Anastomosen miteinander verbunden):

I: Pankreaskopf:

→ 1) Die Aa. pancreaticoduodenalis superior anterior et posterior aus der A. gastroduodenalis und

→ 2) Aa. pancreaticoduodenalis inferior anterior et posterior aus der A. mesenterica superior.

→ II: Pankreaskörper/-schwanz: Sie werden über die Rr. pancreatici aus der A. lienalis sowie über die A. pancreatica dorsalis und die A. pancreatica inferior versorgt.

556 Arterielle Gefäßversorgung des Pankreas

 

Venöser Abfluss:

→ I: Pankreaskopf: Erfolgt über die gleichnamigen Venen zur V. mesenterica superior in die V. portae zur Leber.

→ II: Pankreaskörper/-schwanz: Über die gleichnamigen Venen in die V. lienalis zur V. portae.

 

Lymphabfluss: Das Pankreas weist 2 klinisch-relevante Lymphknotenstationen auf:

→ I: Station 1:

→ 1) Parapankreatiche LK:

 → A) Im Bereich des Pankreaskopfes befinden sich die Nll. pancreaticoduodenalis superiores et inferiores und

→ B) Die Nll. pancreatici superiores et inferiores sowie Lk im Bereich des Milzhilus.

→ II: Station 2: Hierbei handelt es sich um LK im Bereich der V. portae, des Truncus coeliacus, der Mesenterialwurzel sowie paraaortal.

→ III: Die zahlreichen Lymphabflusswege der Bauchspeicheldrüse führen beim Pankreaskarzinom in der Regel zu ausgedehnten Lymphknotenmetastasierungen, die eine operative Heilung zumeist nicht möglich machen.

 

Physiologie: Das Pankreas stellt eine gemischte exokrine und endokrine Drüse dar.

I: Exokriner Anteil: Das exokrine Pankreas produziert als rein seröse Drüse in seinen Azinis ein Pankreassekret (1,5-2l), das Verdauungsenzyme bzw. deren Vorstufen sowie Bikarbonatione besitzt (Pankreassekret pH von 8,0). Hierzu zählen:

→ 1) Enzyme zur Eiweiß-Spaltung: Trysinogen, Chymotrysinogen und Elastase.

→ 2) Enzym zur Fettspaltung stellt die Pankreaslipase dar.

3) Enzyme zur Kohlenhydratspaltung: Hierzu gehören z.B. Ribonukleasen und die Alpha-Amylase.

Die Pankreassekretion verläuft ähnlich wie die Magensaftsekretion in 3 Phasen (cephale, gastrale und intestinale), wobei die intestinale Phase, also der Eintritt des Nahrungsbreis in das Duodenum die bedeutendste Rolle spielt. Kalzium-Ionen, Eiweißmetaboliten und Fett stimulieren die endokrinen Zellen der Dünndarmmukosa und induzieren die Freisetzung von Cholezystokinin, das wiederum die Pankreassekretion aktiviert (des Weiteren auch der N. vagus und das Sekretion).

→ II: Endokriner Anteil: Hierbei werden Hormone in den Langerhans-Inselzellen, hauptsächlich im Bereich der Cauda pancreatis, produziert und direkt an das Blut abgegeben. Man unterscheidet folgende Zelltypen:

→ 1) Alpha-Zellen: Glukagon (steigert den BZ-Spiegel durch Steigerung der Glykogenolyse und der Glukoneogenese)

→ 2) Beta-Zellen: Insulin induziert die Glykogensynthese in der Leber, hemmt die hepatischen Glukoneogenese und Glykogenolyse; des Weiteren zeigt sich unter Insulin eine Steigerung der Triglyceridsynthese in Leber und Fettgewebe sowie die Speicherung von Aminosäuren im Muskelgewebe und nicht zuletzt die Hemmung der Proteolyse.

→ 3) Delta-Zellen: Somatostatin hemmt die Magensäuresekretion, die Magen-Peristaltik, die Sekretion der exokrinen Pankreasenzyme und senkt den arteriellen Druck im Splanchnicusgebiet (Varizen-Behandlung). Darüber hinaus blockiert es die Ausschüttung nachfolgender Hormone wie Gastrin, Sekretin, Insulin, Glukagon, VIP, GIP, TSH, Cortisol etc.

→ 4) Epsilon-Zellen: Ghrelin (stellt ein gastrointestinales Hormon dar, welches an der Steuerung von Hunger- und Sättigungsgefühl beteiligt ist.

→ 5) PP-Zellen: Pankreatisches Polypeptid (wird bei EW-reicher Ernährung freigesetzt und vermittelt das Sättigungsgefühl, zudem hemmt es den exokrinen Pankreas und leitet die Relaxation der Gallenblase ein.

 

Klinisch-relevant: Um den Pankreas chirurgisch zu erreichen, muss die Bursa omentalis eröffnet werden. Folgende Zugangswege bestehen:

→ A) Ventral: Zugang durch Eröffnung des Omentum majus (Lig. gastrocolicum zwischen Gaster und Colon transversum).

→ B) Dorsal: Mobilisation des Duodenums und anschließende Durchtrennung des Treitz-Bandes.

→ C Kranial: Durchtrennung des Omentum minus.

→ D Kaudal: Durchtrennung des Mesacolon transversum.