EKG-Befund: Hypokaliämie

Definition: Von einer Hypokaliämie spricht man von einer Serumkonzentration < 4,0-(3,8) mmol/l, die jedoch erst bei Werten < 3,0mmol/l klinisch relevant werden.

1038 EKG Veränderungen bei den verschiedenen Graden der Hypokaliämie

 

Ätiologie: Wichtige Ursachen, die z.T. schwerwiegende Folgen mit sich ziehen sind insbesondere:

I: Medikamenteninduzierte: Diuretika (z.B. Furosemid, Hydrochlorothiazid, etc.), Laxanzien (-abusus), Mineralkortikoide, Kortison-Therapie, etc.

→ II: Verschiebung von Kalium in den Intrazellularraum durch Insulin und Betamimetika, etc.

→ III: Hyperaldosteronismus z.B. auch bei Leberzirrhose, Leberkoma oder Conn-Syndrom.

→ IV: Erkrankungen wie Ileus, metabolische oder respiratorische Alkalose, nach kardiochirurgischen Eingriffen, aber auch bei Erbrechen und Diarrhoe.

1154 Wichtige EKG Veränderungen bei der Hyper  bzw. Hypokaliämie

 

Klinisch-relevant: Eine extrazelluläre Hypokaliämie führt zu einer Hyperpolarisation der Myokardzellen mit konsekutiver Verlängerung der Aktionpotenzialdauer.

 

EKG-Veränderungen: Typischerweise zeigt sich bei der Hypokaliämie ein gehäuftes Auftreten von tachykarden Rhythmusstörungen.

→ I: Bei leichter Hypokaliämie kommt es zur Abflachung der T-Welle mit möglicher Senkung der ST-Strecke (horizontal bis deszendierend) sowie zur Ausbildung einer sogenannten prominenten U-Welle.

→ II: Mit zunehmender Abnahme des Kaliumspiegels flacht die ST-Strecke und T-Welle weiter ab (T-Zacke kann negativ werden) und sie kann bei Zunahme der U-Amplitude mit dieser verschmelzen.

→ III: Charakteristikum der schweren Hypokaliämie ist somit die Fusion der T-Welle mit der prominenten U-Welle.

IV: Ableitungen: Die EKG-Veränderungen manifestieren sich insbesondere in den Ableitungen II, III (nach Einthovensowie den Brustwandableitungen V1-V3.

→ V: Weitere mögliche EKG-Veränderungen sind u.a.:

→ 1) PQ-Verlängerung,

→ 2) Eher schmaler QRS-Komplex (selten verbreitert bei schwerer Hypokaliämie).

825 EKG Veränderungen bei Hypokaliämie

 

Beispiele: Klinische Beispiele für die proarrhythmische Wirkung einer Hypokaliämie sind insbesondere:

→ I: Vermehrtes Auftreten von supra- Extrasystolen und ventrikulären Extrasystolen.

→ II: Medikamentös induzierte QT-Verlängerung durch z.B. Sotalol, Chinidin und andere Antiarrhythmika.

→ III: Gehäuftes Vorkommen der Torsades-de-pointes-Tachykardie

IV: Vermehrtes Auftreten von ventrikulären Tachykardien und Kammerflimmern (insbesonderen in den ersten Stunden eines Myokardinfarktes).

→ V: Verstärkung der proarrhythmischen Wirkung von Digitalis