(Essenzielle) Kryoglobulinämische Vaskulitis / Essentielle Kryogobulinämie

Definition: Bei der kryoglobulinämischen Vaskulitis handelt es sich um eine Kleingefäßvaskulitis der Arteriolen, Venolen und Kapillaren, die durch Ablagerung von Kryoglobulinen in der Gefäßwand verursacht wird und vor allem Haut, Nieren und peripheres Nervensystem betrifft.

 

→ Epidemiologie:

→ I: Die genaue Prävalenz ist bis heute nicht genau bekannt (liegt bei etwa 1/100000 Einwohnern), wobei Frauen 3x häufiger als Männer betroffen sind.

→ II: Der Manifestationsgipfel liegt zwischen der 4. und 5. Lebensdekade.

→ III: Bei mindestens 80% der betroffenen Patienten liegt eine gemischte Kryoglobulinämie vor.

 

Klinisch-relevant: Die essentielle kryoglobulinämische Vaskulitis gehört zu den nicht-ANCA-assoziierten Vaskulitiden der kleinen Gefäße. Hierzu zählen u.a. auch:

A) Purpura Schoenlein-Henoch,

→ B) Kutane leukozytoklastische Angiitis.

 

Pathophysiologie: Kryoglobuline stellen bei Kälte präzipitierende Immunglobulinkomplexe dar, die meist aus monoklonalem IgM und/oder polyklonalem IgG bestehen, sich in der Gefäßwand kleiner Arteriolen, Venolen und Kapillaren ablagern und zu einer endothelialen Entzüdung führen. Sie können einen positiven Rheumafaktor verursachen. Man unterscheidet 3 Typen:

→ I: Typ 1: Es handelt sich ausschließlich um monoklonale Immunglobuline, meist vom IgM-Typ. Sie treten vor allem bei der monoklonalen Gammopathie, beim multiplen Myelom, Plasmozytom und Morbus Waldenström auf.

→ II: Typ 2: Monoklonale sowie polyklonale Immunglobuline. Prädisponierende Erkrankungen sind vor allem die Hepatitis B und C sowie Kollagenosen.

III: Typ 3: Ausschließlich polyklonale Immunglobuline. Ursachen sind vor allem die Hepatitis C, Kollagenosen und andere rheumatische Erkrankungen (z.B. rheumatoide Arthritis).  

478 Klassifikation der Kryoglobulinämie

 

Ätiologie: Man unterscheidet bei den durch kältelabile Bluteiweiße verursachten Vaskulitiden zwischen 2 Formen:

→ I: Primäre Form: Essentielle Kryoglobulinämie (die Ursache ist nicht eruierbar).

→ II: Sekundäre Form: Aufgrund einer weiteren Erkrankung:

→ 1) Para- oder postinfektiös z.B. bei HCV-Infektionen,

→ 2) Autoimmunologisch bei Kollagenosen,

→ 3) Paraneoplastisch: Bei Karzinomen der Lunge, des Pankreas und kolorektalem Karzinom, aber auch bei malignem Lymphom sowie Plasmozytom etc.

 

Klinik:

→ I: Allgemeinsymptome wie schweres Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, evtl. Myalgien und deutliche Leistungsminderung.

→ II: Palpable, akral-betonte Purpura sind (insbesondere die untere Extremität betreffend) mit einer Prävalenz von bis zu 90% häufiges Primärsymptom; hierbei kann es zur Nekrosebildung kommen.

→ III: Nicht-destruierende Polyarthritis,

→ IV: Membranoproliferative Glomerulonephritis mit Hämaturie und Proteinurie; sie kann zu einem nephrotischen Syndrom bzw. akutem Nierenversagen führen.

V: Polyneuropathie (= sensomotorische Polyneuropathie), Plexusneuritis und Mononeuritis multiplex.

→ VI: Auch kann sich eine Lungenbeteiligung mit trockenem Husten, Dyspnoe und evtl. Pleuritis manfestieren.

 

Diagnose:

→ I: Wegweisend ist der Nachweis von Kryoglobulin. Durch Immunfixation kann eine Unterscheidung zwischen monoklonalen und polyklonalen Kryoglobulinen erfolgen.

→ II: Hypokomplementämie,

III: Hämaturie, Erythrozyturie und Proteinurie.

→ IV: Evtl. Nachweis von Anti-HCV im Serum.

 

→ Klinisch-relevant:

 A) Beim Nachweis von polyklonalen Kryoglobulinen muss immer an eine Hepatitis-C gedacht werden. 

 B) Beim Nachweis von monoklonalen Kryoglobulinen muss immer eine monoklonale Gammopathie ausgeschlossen werden.

 

Therapie:

→ I: Insbesondere bei der sekundären Form steht die Behandlung der Grunderkrankung und der Versuch einer Kältekarenz im Vordergrund.

→ II: Bei Bestehen einer chronischen Hepatitis C erfolgt eine antivirale Therapie mittels Ribavirin und Interferon-Alpha.

III: Handelt es sich um eine essentielle Verlaufsform, ist die Gabe von Methotrexat (MTX) indiziert.

→ IV: Bei einer schweren, progredienten Krankheitsbild erfolgt eine Kombinationstherapie aus einem Glukokortikoid und Cyclophosphamid.

→ V: Ein Reservemittel ist das Rituximab, das vor allem bei einer therapieresistenten Verlaufsform eingesetzt wird.

 

Prognose: Sie ist insbesondere von der Grunderkrankung und dem Nierenbefall abhängig.