Selektive Alpha-1-Rezeptor-Antagonisten / Prazosin / Doxazosin

Hauptkategorie: Antisympathotonika
Kategorie: Sympatholytika
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 21. August 2019 15:14
Veröffentlicht am Samstag, 02. September 2017 14:27
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Definition: Bei den Alpha1-Rezeptor-Antagonisten handelt es sich um Sympathikolytika, die durch kompetitive Blockade der Adrenozeptoren (Alpha1-Rezeptoren) die Erregungsweiterleitung an den sympathischen Nervenendigungen hemmen. Wichtige Vertreter der Alpha1-Blocker sind u.a.:

→ I: Prazosin (Indikation arterielle Hypertonie und Prostatahyperplasie).

→ II: Doxazosin (Indikation arterielle Hypertonie)

→ III: Terazosin (Indikation arterielle Hypertonie) und 

→ IV: Urapidil (Arterielle Hypertonie), etc.

 

Wirkungsmechanismus:

→ I: Die Alpha1-Rezeptor-Antagonisten blockieren ausschließlich die postsynaptischen Rezeptoren vom Alpha1-Typ und erniedrigen hierüber den peripheren Gefäßwiderstand.

→ II: Bei den spezifischen Apha1-Blockern bleibt im Gegensatz zu den unselektiven-Alpha-Blockern bzw. Alpha2-Blockern (Alpha-Rezeptor-Antagonisten) das negative Feedback der Noradrenalinausschüttung über die Alpha2-Rezeptoren unangetastet.

→ III: Somit sind die Hautwirkungen der Alpha1-Blocker:

→ 1) Arterielle und venöse Vasodilatation mit Senkung der Vor- und Nachlast sowie des Blutdrucks (vorwiegend des diastolischen RR).

→ 2) Zudem relaxieren die selektiven Alpha1-Blocker die Muskulatur der Harnblase und der Urethra mit Verbesserung der Miktion bei benigner Prostatahyperplasie.

102 Einige Beispiele der Alpha 1 Rezeptor Antagonisten

 

Klinisch-relevant: Bei Urapidil handelt es sich um einen Alpha1-Antagonisten, das durch Antagonisierung der zentralen Serotonin-Rezeptoren (5HT-A1) in den Raphekernen den Sympathikotonus zusätzlich reduziert. Eine resultierende Folge ist das Fehlen einer Reflextachykardie als Antwort auf die Vasodilatation.

 

Indikation:

→ I: Arterielle Hypertonie: Alpha1-Blocker gehören nicht zu den Erstlinien-Antihypertensiva, sondern vielmehr zu den Reserveantihypertensiva, da sie die kardiovaskulären Folgeerkrankungen der arteriellen Hypertonie eher fördern. Eingesetzt werden insbesondere Doxazosin, Prazosin und Terazosin (und werden in der LZ-Therapie mit einem Diuretikum kombiniert). Urapidil kommt bei der hypertensiven Krise vorübergehend zum Einsatz.

→ II: Benigne Prostatahyperplasie: Vor allem Alfuzosin und Tamsulosin senken den Muskeltonus des Blasenhalses mit Zunahme der Harnflussrate und Reduktion der Restharnmenge. In der Langzeittherapie verlangsamen sie die Progression der Erkrankung.

→ III: Tamsulosin kann zudem in der Akuttherapie der Harnleiterkoliken eingesetzt werden, da es die Steinpassage bei spontanem Kongrementabgang verbessert.

→ IV: Raynaud-Syndrom: Gerade Prazosin unterdrückt beim Raynaud-Syndrom die schmerzhaften Gefäßspasmen in den Akren.

 

Pharmakokinetik: Die selektiven Alpha1-Antagonisten werden alle gut enteral resorbiert. Die Bioverfügbarkeit für Doxazosin und Prazosin liegt bei 60% und für Terazosin bei 90%; die Plasmaeiweißbindung schwankt zwischen 80-98%. Die Wirkungsdauer liegt bei Prazosin bei 8-10 Stunden, bei Doxazosin bei 20 Stunden und bei Terazosin bei 10-18 Stunden. Parzosin wird ausschließlich in der Leber metabolisiert und biliär eliminiert.

74 Pharmakokinetik wichtiger selektiver Alpha 1 Rezeptor Antagonisten

 

Nebenwirkungen:

→ I: Orthostatische Dysregulation mit Ohnmachtsanfällen und Synkopen können insbesondere zu Beginn der Behandlung aufgrund einer übermäßigen Vasodilatation auftreten (= First-Dose-Synkope). In diesem Zusammenhang wird eine einschleichende Dosierung und abendliche Applikation empfohlen.

II: Infolge der peripheren Vasodilatation kommt es reflektorisch zur Steigerung des Sympathikotonus mit leichter (refektorischer) Tachykardie und Palpitation sowie zur vermehrten Freisetzung von Renin mit konsekutiver Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems bei Dauertherapie (= Wirkungsabschwächung durch Wasser- bzw. Volumenretention und Tachyphylaxie; hierbei ist eine Kombinationstherapie mit einem Diuretikum indiziert).

 

Klinisch-relevant: Diese Prozesse beeinträchtigen langfristig die antihypertensive Wirkung und erhöhen das Risiko für die Entwicklung einer Herzinsuffizienz.

 

→ III: Weitere Nebenwirkungen: Sind u.a.:

1) Schwäche, Müdigkeit und Kopfschmerzen,

→ 2) Eine verstopfte Nase durch Schwellung der Nasenschleimhaut (= Folge des peripheren vasodilatatorischen Effektes).

→ 3) Übelkeit und Obstipation.

→ 4) Ejakulationsstörungen und vermehrte Miktion.

→ 5) Des Weiteren Akkomodationsstörungen, Gesichtsröte und periphere Ödeme.

 

Kontraindikationen: Wichtige Kontraindikationen bei der Behandlung mit Alpha-1-Blockern sind:

I: Kardiovaskulär:

→ 1) Dekompensierte Herzinsuffizienz und mechanisch bedingte Herzinsuffizienz bei Aortenstenose und Mitralstenose.

→ 2) Perikarderkrankungen (z.B. Perikarderguss),

3) Lungenembolie sowie

→ 4) KHK.

→ II: Weitere Kontraindikationen: Sind insbesondere:

→ 1) Schwere Leberinsuffizienz.

2) Schwangerschaft und Stillzeit, aber auch Kinder unter dem 12. Lebensjahr.

→ 3) Überempfindlichkeiten gegen Chinazolinen (Prazosin, Doxazosin).

 

Wechselwirkungen:

→ I: Es zeigt sich eine additive Blutdrucksenkung/-aball bei Kombination mit ß-BlockernDiuretika, NO-Donatoren, Nitraten, aber auch Alkohol und trizyklischen AD.

→ II: Insbesondere die Kombination mit ACE-Hemmern oder PDE5-Hemmern kann zur schweren Hypotonie mit Kreislaufkollaps führen.

→ III: NSAR vermindern über die Hemmung der Prostaglandinsynthese und konsekutiven Natrium bzw. Wasserretention die Butdruck-Senkung.