Systematische Desensibilisierung / Reizkonfrontationstherapie

Definition: 

→ I:.Bei der systematischen Desensibilisierung handelt es sich um ein verhaltenstherapeutisches Verfahren, bei dem Angstreaktionen auf klar definierte (angstauslösende) Stimuli gelöscht werden sollen. Ziel ist es, durch eine mehrfach gestufte Konfrontation mit dem angstauslösenden Reiz eine Habituierung zu erreichen.

→ II: Die Konfrontation erfolgt zumeist primär durch gedankliche Vorstellungen; in diesem Zusammenhang wird die konsekutive Gewöhnung durch gleichzeitige Entspannungsübungen erleichtert. 

 

Klassifikation: Zu den Reizkonfrontationsverfahren gehören insbesondere:

→ I: Systematische Desensibilisierung,

II: Exposition in sensu und

III: Exposition in vivo.

 

  Klinisch-relevant:

→ A) Die systematische Desensibilisierung, ein bedeutendes verhaltenstherapeutisches Verfahren, wird auch als Gegenkonditionierung bezeichnet und wurde von Joseph Wolpe in den 50-iger Jahren entwickelt;  

→ B) Sie gehört zu den klassischen stimulusbezogenen Angstbewältigungsverfahren und basiert auf dem Prinzip der reziproken Inhibition (hierbei wird die Angst durch Entspannung antagonisiert).

 

Indikation: Typische Anwendungsgebiete für diese systematische Desensibilisierung sind u.a.:

→ I: Angststörungen, insbesondere die spezifischen Phobien (z.B. Angst vor Autofahren, Zahnarzbesuchen, Arachnophobie etc.) sowie der Agoraphobie,

→ II: Postraumatische Belastungsstörungen aber auch

→ III: Zwangsstörungen.

 

Verfahren: 

→ I: Man geht davon aus, dass ein konditionierter Stimulus wie die Angst mit einem nicht vereinbar Zustand, wie Entspannung, gekoppelt wird und hierdurch die Angst abgebaut wird.

→ II: Die systematische Desensilisierung beinhaltet 3 zentrale Elemente:

→ 1) Erstellung einer individuellen Hierarchie angstauslösender Situationen,

→ 2) Einübung angstanatgonistischer Verfahren, wie z.B. die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson.

→ 3) Stufenweise Konfrontation mit der angstauslösenden Situation primär in sensu, später in vivo.

761 Wichtige Komponenten der systemischen Desensibilisierung

 

Klinisch-relevant: Grundannahme bei der Therapie ist, dass Angst und körperliche Entspannung nicht gleichzeitig vorhanden sein können, im Sinne des Prinzipes der reziproken Hemmung. Ziel ist es, im Behandlungsverlauf die Angstreaktion durch eine Entspannungsreaktion zu ersetzen.

 

 →  III: Vorarbeit:

→ 1) Erarbeitung einer Angsthierarchie (beginnend mit der am wenigsten angstauslösenden Situation (0) bis zur der am stärksten angstauslösenden Situation (100).

2) Erlernen von Entspannungsübungen (wie z.B. die progressive Muskelrelaxation) zu Senkung des allgemeinen Energieniveaus.

→ IV: Ablauf: Im Zustand der (tiefen) Entspannung erfolgt ein schrittweises Heranführen des Patient an das angstauslösende Objekt (Situation) in sensu (in der Vorstellung) oder in vivo. Hierbei wird mit dem am wenigsten Angstauslösendem (Aversiven) begonnen.

  V: Die einzelnen Situationen der Angsthierarchie werden so oft durchlaufen, bis die angstauslösenden Objekte/Situationen angstfrei visualisiert werden können. Anschließend erfolgt der Übergang in die jeweils intensivere Stufe der Angsthirarchie.

→ VI:Therapiedauer: Zumeist werden 20-30 Sitzungen über einen Zeitraum von 10-20 Wochen angesetzt. Auch nach Abschluss der eigentlichen Behandlung werden in zeitlichen Abständen Auffrischungsübungen empfohlen.

 

→ Kontraindikationen: Sind u.a.:

→ I: Akute und subakute psychotische Störungen, einschließlich der Schizophrenie.

→ II: Geistige Retardierung, hirnorganische Läsionen, sowie die Demenz.