Interpersonelle Psychotherapie nach Klerman / IPT

Definition: Die Interpersonelle Psychotherapie nach Klerman und Weissman wurde als Kurzzeit-Psychotherapie gerade für die Behandlung der Depression im ambulanten Bereich entwickelt. Im Mittelpunkt der Behandlung steht die Bearbeitung zwischenmenschlicher Probleme und Konflikte des Patienten, die als wesentlicher Aspekt für die Genese der psychischen Störung (insbesondere der Depression) beigetragen haben.

 

Therapieansatz: Sie arbeitet mit bewussten und unterbewussten Inhalten und legt ihr Augenmerk auf aktuelle Problembereiche (im "Hier und Jetzt") im interpersonellen Gefüge (verbindet verhaltenstherapeutische, psychodynamische und systemische Ansätze).

→ I: Bei diesem Therapieverfahren werden jedoch genetische, entwicklungsgeschichtliche, biochemische Aspekte sowie die individuellen Persönlichkeitsmerkmale, die bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Depression von Bedeutung sind, nicht außer Acht gelassen.

617 Pathomechanismen der Depression nach dem Konzept der interpersonellen Psychotherapie

II: Von den nachfolgendenProblembereichen werden bei der IPT mindestens 1-2 bearbeitet:

1) Komplizierte Trauer und Verlust,

2) Interpersonelle Auseinandersetzungen (im Sinne des Rollenkonfliktes) mit dem Partner, Kollegen und Kinder; sie haben unterschiedliche Erwartungshaltung an die Beziehung.

3) Interpersonelle Defizite (= soziale Defizite) mit Schwierigkeiten des Aufbaus und der Aufrechterhaltung von Beziehungen, die letztendlich in die Einsamkeit führen.

4) Rollenwechsel: Es bestehen Schwierigkeiten bei einer Veränderung der privaten oder beruflichen Rolle. Ziel dieses Behandlungsverfahrens ist zum einen die Reduktion der Symptome sowie die Verbesserung von interpersonellen Problembewältigungen. 

 

Techniken:

→ I: Behandlung aktueller Probleme.

II: Unterstützung des Patienten bei der Klärung emotionaler Zustände, Realitätsüberprüfung von Wahrnehmung und Erleben bzw. Verhalten mit dem Ziel der Verbesserung zwischenmenschlicher Kommunikationen.

 

→ Indikation: Die interpersonelle Psychotherapie nach Klerman findet insbesondere Anwendung in der Behandlung von:

→ I: Unipolaren Depression und der Dysthymia,

→ II: Belastungs- und Anpassungsstörungen mit Depressivität,

→ III: Essstörungen insbesondere die Bulimia nervosa und die Binge-Eating-Störung sowie als  

→ IV: Weitere mögliche Therapieoption bei der somatoformen Schmerzstörung.

 

Klinisch-relevant:

→ A) Die Therapie fokussiert sich auf aktuelle, jetzige Probleme.

B) Aufgaben des Therapeuten:

→ 1) Erfassung des sozialen Gefüges bezüglich der Familie, des Freundes- und Bekanntenkreises.

2) Auskristallisierung der Mechanismen bezüglich Autonomiebestreben, Autoritätsgewinnung, Dominanz, Unterwerfung aber auch Intimität und der Sexualität.

C) Unbewusste Inhalte und frühkindliche Erlebnisse spielen eine Bedeutung, stehen aber nicht im Vordergrund.

D) Übertragungsmechanismen werden nur thematisiert bei Gefährdung der Therapeuten-Patienten-.Beziehung.

 

Therapieverlauf: Hierbei handelt es sich um eine psychodynamische Therapieform, welche auf 12-20 Wochen (je 1 Therapiestunde/Wochen) begrenzt ist. Sie setzt sich aus 3 Behandlungsphasen zusammen: 

I: Initialphasephase: 1.-3. Sitzung mit detaillierter Anamnese, Psychoedukation und Symptombild- bzw. Problemerfassung. Der Patient soll ein klares Konzept bezüglich seiner Störung bekommen.

II: Mittlere Phase: 4.-13. Sitzung; Hierbei steht Fokussierung auf 2 Problembereiche mit Erarbeitung von alternativen Bewältigungsstrategien und Aufbau neuer Verhaltensweisen im Vordergrund.

III: Schlussphase: 14.-16. Sitzung mit Zusammenfassung der Therapie und konsekutiver Herauskristallisierung der Fortschritte (= Therapieerfolge), Klärung weiterführender Hilfen sowie mögliche Zukunftsplanung.

618 Behandlungsphasen der interpersonellen Psychotherapie

 

Klinisch-relevant: Die interpersonelle Therapie hat sich als Akuttherapie der Depression bzw. als rückfallprophylaktische Behandlung etabliert.