Phasenprophylaktika / Stimmungsstabilisierer Allgemein

Definition: Bei den Phasenprophylaktika (= Mood-Stabilizer) handelt es sich um eine Gruppe von Substanzen, die zur Stabilisierung manischer und/oder depressiver Episoden im Zuge bipolarer StörungenManien und deren Rezidivprophylaxe sowie bei schizoaffektiven Störungen zum Einsatz kommen. Ziel ist es, die Dauer und Schwere der manischen bzw. depressiven Episoden zu reduzieren.

244 Wichtige Indikationen für die Phasenprophylaktika

Substanzen: Zu den Phasenprophylaktika gehören:

I: Lithium (angenommen wird eine Stabilisierung der Neurotransmission auf der "second-messenger"-Ebene durch Hemmung der Inositolphosphatase mit konsekutiv vermehrter Noradrenalinfreisetzung).

→ II: Antiepileptika:

→ 1) Carbamazepin (diskutiert wird eine Blockade des Glutamats, das wiederum den transzellulären K+ und Ca-2+-Transport beeinflusst).

→ 2) Valproat (erhöht die GABA-Freisetzung und vermindert den Dopaminumsatz) und

→ 3) Lamotrigin, welches für die Akuttherapie der Manie nicht geeignet ist.

→ III: Antipsychotika der 2. Generation: Gerade Quetiapin, Olanzapin und Aripiprazol weisen eine rezidivprophylaktische Wirkung vor allem bei manischen Episoden auf.

 

Indikationen:

→ I: Rezidivprophylaxe unipolarer Depressionen; hierbei ist insbesondere Lithium indiziert.

II: Rezidivprophylaxe von depressiven Episoden bei bipolaren Störungen: Lithium, Carbamazepin oder Lamotrigin sind zugelassen.

→ III: Rezidivprophylaxe der Manie im Zuge bipolarer Störungen: Hierbei hat sich die Gabe von Lithium, Carbamazepin oder Valproat etabliert.

→ IV: Akuttherapie der euphorischen Manie: Es werden vorwiegend Lithium oder Valproat appliziert.

→ V: Akuttherapie der dyphorischen Manie: Valproat oder Carbamazepin.

→ VI: Therapie des Rapid-Cycling: Valproat und Carbamazepin sind Mittel der Wahl; Lamotrigin nur, wenn ausschließlich depressiven Episoden bestehen.

695 Indikation der Phasenprophylaktika

 

Klinisch-relevant:

→ A) Alle Phasenprophylaktika, außer Lamotrigin, haben eine deutlich bessere Wirkung auf manische Episoden als auf die depressive.

B) Lamotrigin steht bei der Behandlung von depressiven Episoden im Rahmen bipolarer affektiver Störungen im Vordergrund.

→ C) Bei den Phasenprophylaktika besteht keine Abhängigkeitsentwicklung.