Lamotrigin / Lamictal

Indikation: Lamotrigin ist ein Antiepileptikum, besitzt einen antidepressiven Effekt und wird in der Behandlung nachfolgender Störungen eingesetzt:

→ I: Verschiedene Formen der Epilepsie bei Erwachsenen und Kinder ab 12 Jahren.

→ II: Lamotrigin ist in der Rezidivprophylaxe depressiver Episoden bei bipolaren affektiven Störungen indiziert. Hierbei ist die Wirkung im Vergleich zu Lithium deutlich besser.

→ III: Der positive Effekt bei "rapid-cycling" im Rahmen der bipolaren affektiven Störung Typ II wird z.T. kontrovers diskutiert.

→ IV: Zur Augmentation (= Wirkungsverstärkung) einer antidepressiven Therapie bei therapieresistenter Depression.

→ V: In Form einer Off-Lable Therapie in der Akutbehandlung schwerer (bipolarer) Depressionen weist es eine gute Wirksamkeit auf.

 

Klinisch-relevant: Lamotrigin ist jedoch nicht für die Behandlung der akuten Manie geeignet.

 

Wirkmechanismus: Dieser ist wie bei Valproat nicht genau geklärt. Angenommen wird eine Blockade spannungsabhängiger Natrium-, Kalium sowie der präsynaptischen Kalziumkanäle, die wiederum zur Hemmung der Glutamatfreisetzung (= NMDA-rezeptorantagonistischer Effekt) führt. Glutamat ist der wichtigste exzitatorische Neurotransmitter im ZNS.

 

Pharmakokinetik:

→ I: Nach oraler Gabe wird Lamotrigin im Magen-Darm-Trakt zu fast 100% resorbiert und erreicht die maximale Plasmakonzentration nach ca. 2 Stunden.

→ II: In der Leber erfolgt der Abbau durch Glukuronidierung, um anschließend renal ausgeschieden zu werden. Die Eliminationshalbwertszeit liegt beim Erwachsenen zwischen 24-35 Stunden und kann bei Komedikation mit anderen Substanzen (z.B. Carbamazepin) deutlich verlängert werden.

649 Pharmakokinetik des Lamotrigins

 

Wechselwirkungen: Es bestehen Wechselwirkungen insbesondere bei der Kombinationstherapie mit:

→ I: Valproat: Hierbei bockiert Valproat den Abbau von Lamotrigin, da es mit diesem um die hepatische Glukuronidierung konkurriert, gleichen Effekt hat eine schwere Leberfunktionsstörung. Die Folge ist ein rascher Anstieg der Lamotrigin-Plasmaspiegels (bis zu 50%).

→ II: Carbamazepin: Es beschleunigt den Abbau von Lamotrigin durch Induktion der Glukuroniedierung (weitere Induktoren sind Phenobarbital, Phenytoin, Primidon, etc.).

 → III: Östrogenhaltige Kontrazeptiva: Sie induzieren die Aktivität der Glucuronosyltransferase und senken somit den Lamotrigin-Plasmaspiegel.

650 Einige Beispiele der Wechselwirkungen des Lamotrigins

 

Dosierung:

→ I: Da unter der Lamotrigin-Therapie relativ häufig schwere Hautreaktionen bis hin zum Lyell-Syndrom auftreten, ist zu Therapiebeginn eine einschleichende Dosisgabe von 25mg/d für 1-2 Wochen indiziert.

→ II: Ab der 3.- 4. Woche wird die Dosis auf 50mg/d gesteigert; ab der 5. Woche wird es um 50-100mg/d alle 1-2 Wochen erhöht.

→ III: Die Erhaltungsdosis liegt zwischen 100-200mg/d bis maximal 400mg/d.

→ IV: Ein therapeutischer Plasmaspiegel (5-15µg/ml) hat sich bei dieser Therapie nicht etabliert.

 

Nebenwirkungen: Lamotrigin weist ein geringes Nebenwirkungsprofil bei der Behandlung auf:

→ I: Psychiatrisch/Neurologisch: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen mit Doppelbildern, Tremor, Ataxie, Bewusstseinsstörungen und Somnolenz.

→ II: Gastrointestinal: Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö.

→ III: Veränderungen des Blutbildes mit Aämie, Thrombozytopenie, Neuropenie und Agranulozytose. Regelmäßige Blutbildkontrollen sind obligat.

→ III: Dermatologisch: Häufig tritt ein makulopapulöses Exanthem aus; sie können in den ersten Behandlungwochen aufgrund einer zu raschen Aufdosierung bzw. zu hohen Dosis auftreten. Selten kann es zu schweren lebensbedrohlichen allergischen Hautreaktionen in Form des Quincke-Ödems, Lyell-Syndroms bzw. Stevens-Johson-Syndrom kommen, sodass eine einschleichende Dosierung obligat ist.

 

Klinisch-relevant: Bezüglich der Gewichtszunahme weist Lamotrigin einen deutlichen Vorteil gegenüber den anderen Phasenprophylaktika auf.

 

Kontraindikationen: Absolute Kontraindikationen sind schwere Leber- und Nierenfunktionsstörungen sowie die Schwangerschaft. Zu den relativen - gehören gleichzeitige Therapie mit Valproat (Halbierung der Dosis) Nierenfunktionsstörungen oder der Morbus Parkinson.