Schizotype Störung / Schizotype Persönlichkeitsstörung

Definition:

→ I: Die schizotype Störung (Persönlichkeitsstörung) ist durch das Auftreten von einer:

1) Dauerhaften Eigentümlichkeit bzw. Merkwürdigkeit bezüglich der Vorstellungen und des äußeren Erscheinungsbildes,

2) Eigentümlichkeiten im Verhalten und im Denkstil sowie 

3) Dem Mangel an zwischenmenschlichen Beziehungen gekennzeichnet.

II: Die schizotype PS wird nach ICD-10 zur Gruppe der schizophrenen Störungen und anderer psychotischer Störungen, nach DSM-IV neben der paranoiden und schizoiden PS zur Cluster A der Persönlichkeitsstörungen gezählt.

 

Epidemiologie: 

→ I: Es wird eine Prävalenz von bis zu 2-3% in der Allgemeinbevölkerung beschrieben.

→ II: Der Krankheitbeginn setzt meist in der Adoleszenz ein. 

→ III: Genetische Komponente: Es zeigt sich ein vermehrtes Auftreten schizotyper Störungen bei genetisch Verwandten von Patienten mit manifester Schizophrenie.

 

Klinik:

→ I: Exzentrisches, eigentümliches Verhalten und äußeres Erscheinungsbild.

II: Anomalien des Denkens und der Stimmung, sowie eigentümliche Glaubens- und Gedankeninhalte.

III: Gekünstelte, metaphorische und z.T. stereotype Sprech- und Denkweisen.

IV: Wahrnehmungsverfälschung, Angstgefühl, Hypochondrie bis hin zu paranoiden Ideen.

V: Depersonalisations- und Derealisationsyndrom.

→ VI: Affektstörungen: Depressivität oftmals kombiniert mit Suizidalität, Parathymie und emotionale Verflachung.

VII: Weitere Symptome: 

→ 1) Zwanghaftes Grübeln mit dysmorphophoben (Furcht vor der eigenen Entstellung), aggressiven oder sexuellen Inhalten.

→ 2) Mangel an zwischenmenschlichen Beziehungen bis hin zur sozialen Isolation.

→ 3) Mistrauen und nicht zuletzt sozialer Rückzug.

 

Klinisch-relevant: 

→ A) Gelegentlich können sich aber auch kurzfristig Illusionen, akustische und andere Halluzinationen manifestieren.

→ B) Die Symptome reichen jedoch nicht bis zum Wahnerleben (bezüglich des schizophrenen Formenkreises) heran.

 

Komorbidität:

→ I: Angststörungen, insbesondere generalisierte Angststörungen, sowie soziale - und weitere spezifische Phobien.

→ II: Weitere Persönlichkeitsstörungen wie die ängstlich-vermeidende -, schizoide -, paranoide - und die Borderline-PS.

III: Bipolare Störungen v.a. depressive Episoden

IV: Abhängigkeitserkrankungen.

 

Diagnose: Um die Diagnose einer schizotypen Persönlichkeitsstörung zu stellen, sollten:

→ I: Über mindestens 2 Jahre 3 bis 4 der folgenden Kriterien ständig oder episodisch zutreffen und

→ II: Der Betroffene zu keinem Zeitpunkt die Kriterien einer Schizophrenie erfüllt haben: 

636 Wichtige Diagnosekriterien der schizotypen Störung

 

→ Differenzialdiagnose: Von der schizotypen Störung abzugrenzen sind u.a.:

→ I: Schizohrenie insbesondere die Schizophrenia simplex sowie

→ II: Weitere Persönlichkeitsstörungen wie die ängstlich-vermeidende, die paranoide und die schizoide Persönlichkeitsstörung.

218 Differenzialdiagnose der PS anhand klinischer Symptome

 

Therapie:

→ I: Allgemein: Therapieziel bei den Persönlichkeitsstörungen ist nicht die Heilung, sondern vielmehr die Stärkung der sozialen Kompetenz, die Ordnung des persönlichen Umfeldes und die Anwendung des Neuerlernten auf Alltagssituationen. Selten suchen die Patienten aus eigener Motivation den therapeutischen Kontakt. Wichtige Therapiekonzepte, insbesondere bei schizotypen Störungen sind:

1) Supportive Psychotherapie und Training sozialer Kompetenz.

2) Soziotherapie

II: Medikametöse Therapie: Eine niedrig dosierte Gabe von atypischen Neuroleptika (z.B. Aripiprazol, Quetiapin, Olanzapin, Risperidon) kann bei der psychotherapeutischen Therapie hilfreich sein, ist jedoch häufig wegen der fehlenden Krankheitseinsicht nicht realisierbar. Bei Komorbiditäten wie depressiven Episoden können Antidepressiva verabreicht werden.

 

Prognose:

→ I: Die schizotype Störung weist zumeist eine chronische Verlaufsform mit wechselnder Symptomintensität auf. 

→ II: In 10% der Fälle manifestiert sich eine Schizophrenie

→ III: Insgesamt gestaltet sich der Behandlungserfolg schwierig, da die Therapie häufig aufgrund einer fehlenden bzw. nicht tragfähigen Patienten-Therapeuten-Beziehung abgebrochen wird.