Halluzinogene / Psychedelika

Definition: Bei den Halluzinogene handelt es sich um eine heterogene Gruppe von Substanzen, die charakteristischerweise tiefgreifende Veränderungen in der Wahrnehmung, im Denken und in der Stimmungslage hervorrufen. Hierzu gehören:

I: Mutteralkaloid-Derivate: (z.B. Lysergsäurediethylamid = LSD): Ist das stärkste Halluzinogen und hat eine Wirkdauer von 12-14 Stunden. Gerade bei diesem Halluzinogen kommt es frühzeitig zu einer Toleranzentwicklung und nicht selten manifestieren sich sogenannte Flash-Backs.

→ II: LSD-ähnliche Tryptaminverbindungen: Wie

→ 1) Phenylethylamine: wie Meskalin (wird aus Kakteen gewonnen) oder MDA (= 3,4-Methylendioxyamphetamin); hat eine Wirkdauer bis zu 24 Stunden.

→ 2) Indolalkaloide: wie Psilocybin (aus Pilzen); dies hat eine deutlich kürzere Wirkdauer von 3-5 Stunden.

→ III: Weitere Halluzinogene: Sind Phencyclidin (PCP= Angel´s Dust) und Ketamin.

467 Charakteristika der Halluzinogene

 

Epidemiologie:

→ I: In Deutschland weisen ca 2% der Erwachsenen Erfahrungen mit Halluzinogenen auf.

→ II: Es sind überwiegend Männer im Alter von 18 bis 24 Jahren betroffen.

→ III: Die Betroffenen zeigen meist ein Mischkonsum (evtl. auch Polytoxikomanie), bestehend aus Halluzinogenen, Cannabis, Ecstasy und anderen Drogen, auf.

 

Pathogenese:

→ I: Bei den Halluzinogenen handelt es sich um eine Vielzahl von natürlichen und synthetisch hergestellten Substanzen, die über unterschiedliche Mechanismen, einen ähnlichen Effekt hervorrufen.

II: Die Wirkung der Halluzinogenen erfolgt vor allem durch die Aktivierung (agonistisch) zentraler, serotonerger 5HT2 und 5HT1-Rezeptoren.

III: Zudem wirken sie indirekt sympathomimetisch durch Hemmung der präsynaptischen Wiederaufnahme von Noradrenalin, aber auch Dopamin.

IV: Das Abhängigkeitspotenzial ist bei den Halluzinogenen gering. Es existieren keine nennenswerte Entzugssymptome bei Abstinenz. Jedoch zeigt sich schnell eine Toleranzentwicklung bezüglich der euphorisierenden und psychedelischen Effekte, nicht aber in Bezug auf die vegetativen Wirkungen.

469 Abhängigkeitspotenzial der Halluzinogene

 

Klinik: Diese verläuft in 4 Stadien:

→ I: Initialstadium: Ist gekennzeichnet durch innere Unruhe,Tremor, Tachykardie, arterielle Hypertonie, Mydriasis, Koordinationsstörungen, Schwindel, evtl. Übelkeit.

II: Rauschstadium: Mit charakteristischen psychedelischen Symptomen,

→ 1) Optische Pseudo-Halluzinationen, wie Form- und Farbhalluzinationen, szenenhaftes Erleben, illusionäre Verkennung und Synästhesien (= Verschmelzung von Sinnesempfindungen). 

2) Störungen des Ich-Erlebens wie Depersonalisations- und Derealisationserleben, sowie dissoziative "Out-Of-Body"-Erfahrungen.

→ 3) Veränderungen der Körperwahrnehmungen wie unnatürliches Wohlbefinden, Selbstüberschätzung, Omnipotenz und

→ 4) Andere Symptome wie extreme Affektlabilität und Ideenflucht, Veränderung des Raum-Zeit-Gefühls.

III: Erholungsphase:

IV: Nachwirkungsphase: Mit Erschöpfung, Depressivität und Angst.

468 Halluzinogen Intoxikation

 

 Klinisch-relevant:

→ A) Das Symptombild des Rausches ist stark von der psychischen Ausgangsverfassung (-stimmung) abhängig. 

→ B) Die durch diese Substanzen hervorgerufene Psychosen werden als Modellpsychose bezeichnet.

→ C) Die Halluzinogene rufen eine starke psychische, jedoch keine physische Abhängigkeit hervor.

 

 Komplikationen:

→ I: Akuter Rausch: Gerade bei höheren Dosen kann es zum Verlust der Grenzen zwischen Rausch und Realität kommen mit Rausch-psychotischen Zuständen, paranoidem Erleben, Agitiertheit, panischer Angst oder aggressiven Durchbrüchen etc. Dieser Zustand wird als Horror-Trip bezeichnet und bedarf therapeutisch einer sofortigen Abschirmung von äußeren Reizen, Beruhigung (= Talking-down) und evtl. der kurzfristigen Gabe eines Benzodiazepins.

→ II: Chronischer Konsum: Verursacht Drogen-induzierte Psychosen (= entsprechend dem schizophrenen Formenkreis) und gerade auch die Flash-backs. Weitere Symptome des chronischen Konsums sind v.a.:  

→ 1) Physische Symptome: Mit Tachykardie, Hyperhidrosis und Mydriasis,

→ 2) Psychische Symptome: Interessenverlust, Depressivität, Apathie und Suizidalität.

→ III: Bei einigen Halluzinogenen wie Fliegenpilze, Engelstrompeten (enthält das Alkaloid Scopolamin des weiteren auch Atropin) kann es bei Überdosierung zu vital-gefährdenden Symptomen mit vasomotorischem Kollaps, Bewusstlosigkeit, Koma und Atemlähmung kommen.

 

  Klinisch-relevant:

→ A) Atypischen Rauschzustände: Hierbei kommt es in der Rauschphase, gerade auch bei Unerfahrenen, zu sogenannten Horrortrips mit paranoider, panischer Angst, extremen Depersonalisations- und Derealisationserleben und anderen Wahrnehmungsstörungen. Nicht selten findet man in dieser Phase dann auch suizidales und fremdaggressives Verhalten.

→ B) Flash-Backs: (Echopsychosen) Sie treten mit unterschiedlicher Latenz nach Tagen bis Wochen nach dem letzten Konsum auf und zeigen sich in Form eines erneuten Erlebens drogeninduzierter Effekte. Flash-backs halten meist nur Sekunden bis Minuten an, selten sind sie chronisch. Die Entstehung der Flashbacks beruht auf der Tatsache, dass Halluzinogene stark fettlösliche Substanzen sind, die über einen längeren Zeitraum im körpereigenem Fettgewebe akkumulieren und durch Freisetzung zu erneuten Rauschzuständen führen können.

 

  Therapie:

→ I: Akute Rauschpsychose: Behandlung mittels Benzodiazepine und Butyrophenonen. Eine Behandlung mit einem Neuroleptikum ist kontraindiziert, da sie häufiger die Psychose-Symptome verstärkt. 

II: Drogeninduzierte Psychose: Benzodiazepine, jedoch zeitlich limitiert, evtl. vorsichtiger Einsatz von Neuroleptika.

III: Flash-Backs: Drogenabstinenz, Gabe von Benzodiazepinen (z.T. über Monate). Eine Therapie mit NL ist auch hier kontraindiziert, da sie häufig zu einer erneuten Exazerbation der Flash-backs führen.

 

Exkurs: Phencyclidin (PCP = Angel-Dust):

→ I: Definition: Bei Phencyclidin handelt es sich ursprünglich um ein für die Anästhesie entwickeltes Narkotikum, welches jedoch wegen seine psychotropen Nebenwirkungen nicht vermarktet wurde. 

→ II: Wirkmechanismus: Wirkt an zentralen PCP-Rezeptoren und beeinflusst hierüber die exzitatorisch-wirkenden NMDA-Rezeptoren sowie das dopaminerge, serotonerge und cholinerge System.

→ III: Klinik:

→ 1) In niedriger Dosis (< 5mg) führt es zu Euphorie, gesteigerten Denkabläufen und Wärmegefühl.

→ 2) In hoher Dosis (> 10mg) können sich psychotische Symptomen mit Halluzinationen, paranoiden Angstzuständen und Verfolgungswahn entwickeln.

→ 3) Bei sehr hohen Dosen (> 20mg) kommt es zu Krampfanfällen, Koma und evtl. zum Tod.

 4) Die Rauschphase dauert 3-5 Stunden, gefolgt von einer depressiven Verstimmung über einige Tage. PCP macht psychisch abhängig, jedoch nicht körperlich.