Allgemeines: Die in den 50iger Jahren sich etablierende rational-emotive Therapie nach Ellis, geht davon aus, dass psychische Störungen durch irrationale Denkmuster, also subjekiv verzerrte Wahrnehmungen und Interpretationen, verursacht werden. Es handelt sich um eine kognitive Verhaltenstherapie bei der persönliche Überzeugungen für die eigene Lebensperspektive hinterfragt werden. (siehe auch kognitive Verhaltenstherapie nach A.T. Beck).

 

Grundannahme: Emotionen sind das Ergebnis von Denkvorgängen. Demzufolge beruhen psychische Störungen auf irrationalen Überzeugungen und Denkmuster, also Kognitionen.

 

Wirkhypothese: Emotionen stellen Ergebnisse von Denkvorgängen dar. Diesbezüglich basieren psychische (emotionale) Störungen auf irrationalen und verzerrten Kognitionen und Wahrnehmung. Während der Therapie werden diese Denkmuster aufgedeckt und dialogisch verdeutlicht mit dem Ziel:

→ I: Der Einstellungsänderung und

→ II: Umorientierung.

III: Nicht die Situation selbst ist uns unangenehm, sondern die Meinung, die wir darüber haben.

 

Grundlage: Die Grundlage der rational-emotiven Verhaltenstherapie stellt das ABC-(DE)-Modell nach Ellis dar: Dies soll anhand eines Beispiels erklärt werden. Das ABC-Modell beinhaltet:

193 ABC Theorie nach Ellis

 I: Zu Beginn besteht ein A = activiting-event, ein Todesfall in der Familie, der bei  jedem, unbewusst oder bewusst, unterschiedliche Denkmuster, Überzeugungen, Bewertungsmuster, Lebensregeln (diese werden auch als B = beliefs oder belief-system bezeichnet) aktiviert und gleichzeitig die Situation auch bewertet.

II: Die Bewertungen können:

1) Rational, in sich logisch und angemessen sein (es kommt hierbei nicht zu einer Entwicklung einer psychischen Störung).

2) Irrational, unlogisch und auch unangemessen sein.

→ III: Folgen: Als C = Konsequenz auf diese Bewertungen (beliefs) kommt es zur emotionalen Reaktion und nachfolgenden Verhaltensweisen.

IV: Die emotionalen Reaktionen und Verhaltensweisen, können unterschiedlich sein:

1) Sie können angemessen sein bei vorheriger rationaler Bewertung.

2) Sie sind unangemessen und dysfunktional bei vorheriger irrationaler Überzeugung bzw. Bewertung. 

747 ABC Theorie nach Ellis

 

Klinisch-relevant:

 A) Irrationale Überzeugungen sind :

  1) Absolute Forderungen: Wünsche werden zu absoluten Forderungen.

  2) Absolute negative Eigen- und Fremdbewertung: Statt einzelne Eigenschaften als minderwertig zu bewerten, wird es auf die ganze Personen bezogen.

 3) Katastrophisierung: Negative Ereignisse werden überbewertet.

 4) Niedrige Frustrationstoleranz: Glaube, negative Ereignisse nicht aushalten zu können.

 5) Somit bestimmt die Bewertung eines Individuums seine Reaktion.

B) Nach Ellis entstehen psychische Störungen aufgrund von irrationalen Bewertungsmustern und Überzeugungen.

C) Irrationale Bewertungen sind Denkmuster, die den Betroffenen

→ 1) Subjektiv belasten und

→ 2) In der Verwirklichung seiner Ziele behindern.

 

  Therapie: Ziel der Therapie ist es,

→ I: Die unangemessene Verhaltensweise zu erkennen,

II: Sie in Frage zu stellen (D = Disputation) und

→ III: Sie zu verändern (E = effect), um eine rationalere Lebensanschauung zu erlangen, damit zukünftige Probleme angemessen gelösen werden können. Der Übergang von irrationalen zu rationaleren Bewertungen fördert der Therapeut durch:

→ 1) Aktives Aufgreifen irrationaler Überzeugungen.

→ 2) Überspitzung der Irrationalität zur Verdeutlichung.

→ 3) Intention: Untersützung des Patienten, eine rationalere, adäquate Lebenseinstellung zu entwickeln.

 

Verfahrensweise: Hierbei werden mittels sokratischem Dialog (= dialogisierend, durch Stellung offener Fragen) die Überzeugungen und Bewertungen auf Logik und Angemessenheit kritisch analysiert. Diesbezüglich wird der Patient aufgefordert, sich zu hinterfragen, und zur Umstrukturierung angeregt.

 

Klinisch-relevant: Formen der Umstrukturierung; hierzu gehören: 

→ A) Emotive Disputation: Vorstellungsübungen. Es werden negative Gefühle initial evoziert, um sie anschließend zu verändern.

B) Behaviorale Disputation: Bei denen sich der Patienten in peinlichen Situationen begibt, um zu erfahren, dass seine Befürchtungen nicht eintreffen.

C) Distanzierung: Wenn ich in 20 Jahren auf den Tag zurückschaue, wird er mir unwichtig erscheinen.

E) Positive Umdeutung: Die Art, wie jemand reagiert hat, zeigt mir, dass sie noch an mir interessiert ist; wie kann ich ihr das selbe vermitteln.

F) Herausforderung: Wir haben viele Krisen geschafft, diese ist eine besondere Herausforderung.

748 Weitere Übungsstrategien zur kognitiven Umstrukturierung nach Ellis

 

Indikation: Zur rational emotiven Therapie gehören nachfolgende Indikationen:

I: Depression,

→ II: Angsterkrankungen, 

→ III: Persönlichkeitsstörungen

→ IV: Anpassungsstörungen,

→ V: Suchterkrankungen.

 

Kontraindikationen:

→ I: Akute Psychosen und psychotisches Residuum,

→ II: Belastungsreaktionen,

III: Oligophrenie und Demenz.